Zur Zeit bin ich wohl etwas familiär eingespannt. Aus Gründen.
Heute waren meine Eltern dran. Sie sind alt und mögen sich immer noch nach all den Jahre, auch wenn es oft nicht so aussieht. Wir waren einkaufen in einem ganz speziellen Laden. Da kommt man nicht einfach so hin, sondern braucht ein Kind, das einen hinfährt. Wenn man kein Auto hat. Da stehen sie also in diesem Laden mit nur sehr geringem Warenangebot und suchen wie blöd das, was sie wollen. Ich sage: „Fragt doch nach.“ Sie suchen. Ich suche. Schließlich läuft Muttern zur Kasse. Vorher entdecke ich jedoch die gewünschte Ware und rufe laut. Sie kommen, so schnell es geht. Zwischendurch regen sie sich auf, weil sie sich gegenseitig im Weg stehen. Immer wieder diese kurzen Streitereien. Heute stört mich das nicht mehr, früher fand ich das nervend. Sie sind dann auch richtig unfreundlich zueinander. Zu Fremden wären sie nie so, aber mit dem Partner kann man das ja machen. Schließlich mühsames Bezahlen an der Kasse und dann alles ins Auto. Sie wollen natürlich nicht gleich heim, sondern noch irgendwo einen Kaffee trinken. Ich mag Kaffee nicht so sehr und für mich ist es auch schon zu spät. Ich kann Kaffee nur bis zum frühen Nachmittag trinken. Also suchen wir ein Café. Ein neues in der Stadt, in dem wir noch nie waren. Es dauert, bis wir es finden. Bzw. wir kurven immer drum rum. Wollen aber nah ran, da Vatern lauflahm ist. Es wird nicht einfacher. Schließlich finden wir einen Parkplatz bei einer Firma, auf den ich mich traue, das Auto abzustellen. Die Eltern sind verunsichert: „Willst du da wirklich parken?“ „Ja, ich kenne die. Das klappt schon.“ Das Café seltsam dunkel und tatsächlich, beim Näherkommen erkennen wir: Mittwoch Ruhetag!
So ein Krampf aber auch. Also wieder zum Auto zockeln und in das altbekannte Café. Dort dann leckersten Kuchen und Kaltgetränk. Mir war inzwischen so heiß nach all dem Gekurve. Im Café sind auch die Eltern glücklich. Dort kennen sie sich aus und treffen sogar Bekannte. Wieder wird mir bewusst, wie sehr sich Alter und Kindheit ähneln. Die Kinder wollen auch am liebsten das Altbekannte. Nur nix Neues. (Bis zu einem gewissen Alter meistens, manchmal auch länger). Wir führen nette angeregte Gespräche, wie das oft so ist, wenn ich mit meinen Eltern alleine bin. Inzwischen kann ich die Zeit mit ihnen geniessen. Wer weiß, wie lange noch. Die Zeit ist so kostbar geworden. Das ist anders im Alter. Man ist sich seiner begrenzten Lebenszeit bewusst und nimmt vieles intensiver wahr. Auch die Abschiede.