An manchen Tagen fühle ich mich aber sowas von Egoisten umgeben. Das tut weh. Die kümmern sich kein bisschen um die Belange anderer, das fällt mir schwer nach zu vollziehen.

Egoismus scheint angeboren. Nur wer sich um sich kümmert, wird überleben. Das Baby, das sein Geschwister nicht zur Seite schubst, wird kein Essen abkriegen. Stimmt doch gar nicht! Das wird gerecht verteilt! Je mehr Kinder, desto gerechter muss man sein. In erster Linie muss sich aber dennoch jeder um sich selbst kümmern. Wer sich immer nur um andere kümmert, geht verloren. Der kriegt nix ab.

In unserer Gesellschaft lernt man dann aber doch recht schnell, dass abgeben durchaus auch sinnvoll sein kann. In der Familie steht das Kind vielleicht noch an erster Stelle. In der Gesellschaft dann aber schon nicht mehr. Zu Hause die Eltern verzichten zu Gunsten des Kindes. Im Kindergarten nicht. Jeder kriegt was. Und wenn möglich gleich viel. Dennoch muss das Kind ein Stück weit egoistisch sein, um sich durch zu setzen. In der Schule mindestens genauso.

Es ist so ein gewissen Ausloten. Egoismus versus Gemeinschaft. Wieviel Egoismus brauche ich für meine Interessen? Wieviel muss ich mich zurück nehmen zugunsten der Gemeinschaft?

Ich habe das Gefühl, dass die Egoisten mehr werden. Fängt morgens an im Zug. Was ist das für ein Gedrängel bis alle drinnen sind. Es kommen alle rein. Die Sitzplätze sind rar je nach Menge der Reisenden, doch dann muss man halt etwas enger sitzen. Ein Sitzplatz angeboten wurde mir das letzte mal in England in der U-Bahn in London. Schlimmer noch ist es auf der Heimfahrt, da drängelnd die Menschen so in den Zug, dass ich manchmal kaum rauskomme. Inzwischen benutze ich meine Ellenbogen und überrenne alles. Fühle ich mich nicht wohl mit, aber nur so komme ich überhaupt aus dem Zug. Gerne helfe ich Leuten mit Kinderwagen oder Rollator oder Koffern, weil das alles etwas durcheinander bringt. Da muss man warten und Platz machen.

Bei der Arbeit werden die Egoisten nicht weniger, da gibt es immer welche, die sich um den Urlaub der anderen gar nicht kümmern. Ach, da haben wir jetzt aber schon gebucht. Ja ja, jedes Jahr dasselbe.

Den Kindern versuche ich Rücksicht vorzuleben und beizubringen. „Halt doch mal der Frau die Tür auf!“ – „Warum? Die ist nicht alt und hat keinen Kinderwagen?“ Nun, kann man nicht ganz normalen Menschen auch die Tür aufhalten? „Stell bitte dein Fahrrad aus dem Weg.“ „Geh mal bitte einen Schritt zur Seite, dass die Leute besser durch kommen.“

Im Straßenverkehr die Drängler sind auch ganz schlimm. Die sich an der Fahrradampel so durchschlängeln, dass sie vor dem Kind zu stehen kommen und alles durcheinander bringen und sämtliche Verkehrsregeln missachten. Wie soll ich da noch dagegen angehen können?