Rafik Schami

Die letzte Lesung mit Rafik war vor Jahrzehnten, genauer 1990. Damals mit Mama. Das ging diesmal leider nicht. Dafür mit Schwiegermama.

Der Abend war wunderbar. Wir wurden verzaubert. Selbst die Kinder haben total gebannt gelauscht.
Ich bewundere diese volle Kindheit, die der Mann gehabt haben muss, dass er immer noch davon zehren und erzählen kann. Und wie schön er erzählt. Immer wieder kommen neue Ausführungen, neue kleine Geschichten am Rande dazu, doch er verliert den Faden nicht und kommt immer wieder zur Hauptgeschichte zurück. Selbst nach der Pause bringt er uns gleich wieder in die Geschichte hinein. Ich bin mir unsicher, was erfunden ist und was wahr. Das kann doch nicht alles wahr sein, oder? Letztlich ist es grad egal, die Geschichten sind zu schön, so wie sie sind. Nähere Details muss ich gar nicht wissen. Denn wer lügt, muss die Lüge nur gut beweisen können, meint Rafik Schami.

Damaskus muss eine wunderschöne Stadt gewesen sein. Wir konnten eintauchen in diese fremde Welt und sie auf uns wirken lassen. Bestimmt hat jeder andere Vorstellungen im Kopf aufgrund der Beschreibung, doch wir alle waren versunken in diese andere Zeit und andere Welt. Ich hätte noch stundenlang lauschen können.

Später dann Gedanken zur eigenen Kindheit. Kann ich auch so viel darüber erzählen?
Ich empfinde meine Kindheit nicht als sehr schön, aber dennoch gibt es einige nette Geschichten. Leider kann ich nicht so gut erzählen.

Und was ist mit meinen Kindern?
Was werden die in einigen Jahren, Jahrzehnten über ihre Kindheit erzählen?
Das würde mich doch sehr interessieren, werde ich aber wohl nie erfahren.