alive and kicking

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Wandersehnsucht

Der Blick aus dem Bürofenster verspricht bestes Wanderwetter. Sehnsucht macht sich breit. Lieber wäre ich jetzt dort als hier. Der Urlaub war so schön und so anstrengend. Erfüllend.
Ich vermisse das gerade in meinem Alltag und überlege, wie ich das einbauen kann. Segeln gehen am Nachmittag, ins Café sitzen mit den Freunden, die Hunderunde etwas ausdehnen. Ist alles toll und das versuche ich regelmässig zu integrieren, aber die erfüllende körperliche Anstrengung fehlt. Nun ja, ich bleibe auf der Suche….

6. August

Lange Jahre war der 6. August für mich ein Gedenktag. An diesem Tag wurde die Atombombe auf Hiroshima abgeworfen. Als Jugendliche habe ich mich dazu viel informiert und darüber gelesen. Für mich war das ausschlaggebend, der Verwendung atomaren Materials kritisch gegenüber zu stehen. Der kritische Standpunkt ist bis heute geblieben, der Gedenktag war jedoch immer weniger im Bewusstsein. Klar, ich kann das Datum noch abrufen, aber im Laufe der Jahre wurde das Datum unwichtiger und war einfach nicht mehr so präsent im Alltag. Der wurde von anderen Dingen überlagert.

Jetzt jährt sich der Abwurf zum 75. Mal. Es gibt offizielle Gedenkfeiern und Ansprachen. Auch hier bei uns wird daran gedacht und ich merke, wie mich das immer noch mitnimmt. Inzwischen sind viele andere, ebenfalls schreckliche Dinge auf der Welt passiert, eigentlich müsste es jeden Tag einen Gedenktag geben. Dennoch möchte ich diesen Tag für mich und meiner Umwelt etwas mehr ins Bewusstsein bringen. Nicht nur jetzt zum Jahrestag. Ich weiss noch nicht wie, aber heute zünden wir auf jeden Fall eine Kerze an in Gedenken all derer, die dabei ums Leben kamen.

Manche Sachen muss man nicht verstehen


Manche Sachen muss man nicht verstehen.

Seit langem schon wieder will ich mich mit einer Freundin treffen, das ist nicht einfach, wir sind beide berufstätig, haben Familie und Hobbies. Immer wieder jedoch wird Corona vorgeschoben. Das verstehe ich nicht, die Familie benutzt öffentliche Verkehrsmittel und geht außer Haus zur Arbeit bzw. Schule. Und da können wir uns nicht mal im Freien für einen kleinen Spaziergang treffen? Ich verstehe die Sorgen, ich finde mich jetzt auch nicht verantwortungslos, doch es passt nicht zusammen: Mir wegen Corona absagen und gleichzeitig den Urlaub im Ausland planen.

Das verstehe ich nicht. Will ich auch nicht. Nicht mehr.
Ich fühle mich blöd abgespeist und finde den Urlaub im Ausland verantwortungslos. Da driften wohl unsere Welten gerade zu sehr auseinander.

Manche Sachen muss man nicht verstehen.

Händy-Auszeit

Das Kind hat gerade kein Händy. Aus Gründen.

Also liegt es auf dem Sofa und liest alle Asterix. Ich bin verzückt.
Es sitzt auf dem Boden in seinem Zimmer und baut Lego. Ich bin glücklich.

Zwischendurch braucht es mal sein Händy, um Hausaufgaben zu machen oder sich mit Freunden zu verabreden. Das klappt echt gut.

Ich frage mich, ob ich es bin, die das nervt mit dem Gerät. Ist das Kind wirklich anders?

Es hat auf einmal mehr Zeit, bleibt nach dem Essen länger in der Küche sitzen und wir reden noch miteinander. Aber wieder bin ich das, die das schön findet. Oder?

Es gibt keinen Königsweg, wir müssen immer wieder neu verhandeln und neue Wege finden. Und ich merke, das kleine Auszeiten durchaus gut tun. Uns allen.

Ennio Morricone

Im letzten Jahr gab es einen Spontan-Chor für einen Auftritt, bei dem ich mitgemacht habe. Wir hatten ein Stück von Ennio Morricone einstudiert. Dadurch habe ich mich näher mit ihm befasst, ein Begriff war er mir aber vorher schon. Doch die ganze Bandbreite war mir nicht bewusst.

Jetzt ist er gestorben.

George

Die Kinder, und nicht nur die, sind entsetzt darüber, was in den USA passiert. Ich weiß, wir kriegen so vieles gar nicht mit, aber was ich mitkriege, reicht mir mehr als genug.
Egal, wo auf der Welt ich gelebt habe, ich war nie so froh, eine weiße Hautfarbe zu haben, wie in den USA. Ich habe mich dort nicht unwohl gefühlt, auch als ich in Harlem in New York gewohnt habe. Ich wurde weder in der Kirche noch auf der Straße blöd angeschaut. Morgens wenn ich vom Hostel zur Arbeit losgelaufen bin, haben mich die Leute begrüßt: Hey, white girl, going to work?
Mein Hostelkollege, ein weißer Mann mit langen Haaren, wurde da feindselig angeschaut und war auch in der Kirche nicht so gern gesehen.
An der Grenze zu Kanada mussten die Schwarzen aus dem Bus und wurden kontrolliert. Ich als Nicht-Amerikanerin auch, aber längst nicht so unhöflich. Wahrscheinlich hatte ich aber auch einfach nur verdammt viel Glück!

Die Demos heute weltweit geben Mut. Ich hoffe, dass sich was ändern wird, fürchte aber, dass sich nichts groß ändert. Ich bin immer wieder erstaunt, wie sehr andersfarbige Menschen ihr Leben den Umständen angepasst haben. Der dunkelhäutige Mann im Haus geht selten abends raus, und schon gar nicht allein. Wenn es einen Vorfall gab in der Stadt mit Menschen aus anderen Ländern, bleibt er ganz zu Hause. Arbeiten und das wars. Da habe ich mir noch nie Gedanken drüber gemacht. Nein, er wird dann schräg angeschaut, als ob er der Missetäter wäre. Ich mache mir Gedanken als Frau raus zu gehen und meide gewisse Stellen, aber für manche Menschen ist das nochmal eine Spur extremer.

Zurück zu Amerika frage ich mich, ob das dem Wahlkampf dienlich ist. Heizt Trump das alles auf, um noch mehr zu spalten in der Hoffnung auf Wiederwahl?

Veränderungen

Ich habe das Gefühl, dass durch die Coronazeit vieles intensiver zu Tage tritt. War die Kommunikation vorher schon mies, so scheint sie jetzt noch schlechter. Ist das so?

Das betrifft vor allem das Zwischenmenschliche, weil das jetzt einfach anders gehandhabt wird. Die Arbeitszeiten, der Verkehr, was weiss ich, ist nicht schlimmer, sondern anders, vielleicht sogar besser. Arbeiten von zu Hause aus hat Vorteile, weniger Autos bedeuten weniger Verkehrslärm etc., doch die Beziehungen zwischen den Menschen sind intensiver oder eben weniger. Wenn wir uns weniger sehen, wird die Kommunikation wichtiger, wenn die Verständigung vorher schon zu wünschen übrig liess, wird sie jetzt nicht unbedingt besser. Zeigt aber auch, dass da vorher schon was im Argen lag. Jetzt ist Zeit für Verbesserungen!

Doch was machen die meisten? Sich noch mehr verstecken, alles auf die Krise (Krise? Welche Krise?) schieben, wie immer eine Ausrede haben. Das ist schade und eine vertane Chance.

In meinem Umfeld gibt es gerade einige Missstände und manchmal resultieren daraus Veränderungen. Diese Veränderungen betreffen mich zum Teil ganz konkret, ich freue mich für die Menschen, die die Veränderungen erfolgreich initiiert haben, aber ich finde manches auch schade.

Samstagmorgen

Ich liebe die Samstagmorgen, wenn der Rest der Familie noch schläft und ich in Ruhe lesen, stricken oder bloggen kann. Es ist friedlich und ruhig. Ich nehme wahr, wie langsam das Haus und das Draußen aufwachen und ahne schon die Geschäftigkeit, die nachher herrschen wird.

Heute klingt das Draußen schon recht laut und wuselig. Ich höre das Martinshorn und einige Autos. Im Treppenhaus war auch schon Leben. Dann wieder gibt es Momente der Ruhe. Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich auch einige Radfahrer, die bestimmt auf dem Weg zum Markt in die Stadt sind. Da wollen wir oder einer von uns nachher auch noch hin.

Es ist schon hell, die Sonne scheint ins Wohnzimmer, doch immer wieder schieben sich Wolken davor. Für heute ist noch Regen angesagt, so sieht es im Moment auch aus. Im Winter, wenn es um diese Zeit noch dunkel ist, mache ich mir manchmal eine Kerze an. Jetzt im sommerhaften Frühling mache ich das Fenster auf und bin erstaunt, dass ich keine Vögel höre. Die waren doch die letzten Tage immer da. Was machen die denn so am Wochenende?

Das ist ein schöner Start in den Tag, der mir manchmal fehlt. Die Entspanntheit am Wochenende. Das Schulkind, das jetzt eine Woche mit Unterricht um 7 Uhr 30 hatte, hat angekündigt, dass es ausschlafen möchte. Bitte nicht zum Frühstück wecken!

Eigentlich war ich für heute zum Grillen eingeladen, vor langer Zeit. Wir sind zu viele und das Grillen findet nicht statt. Kleiner Trost: soll ja eh regnen. Also haben wir mal wieder einen Samstag ohne Termine vor uns, aber doch mit einigen Sachen, die erledigt werden wollen wie einkaufen, aufräumen, putzen, waschen und vielleicht ein bisschen was für nächste Woche planen.

Auch darüber habe ich Zeit nachzudenken an so einem Samstagmorgen, wenn der Rest der Familie noch schläft.

thoughts in these times

Es wird gerade viel nachgedacht über die Zeit nach Corona. Warum denn nach Corona? Wird es das geben? Wird das Virus ausgerottet werden können? Wenn ja, wann? Wann wird diese Zeit sein? Sollten wir nicht viel lieber über eine Zeit mit Corona nachdenken?

daily routine

Ich schreibe hier grad täglich rein, obwohl ich das gar nicht will. So viel Aufregendes passiert ja gar nicht, egal zu welchen Zeiten. Dennoch denke ich „oh, das will ich festhalten, mir merken, darüber nachdenken….“ was auch immer. Und schwups, schon wieder ist ein Beitrag entstanden.

Im Moment habe ich auch überhaupt keinen Streß damit, hier täglich zu schreiben. Früher schon war mir das viel zu anstrengend und ich habe mich selber unter Druck gesetzt. Da wollte ich täglich schreiben und es hat nur immer eine Weile geklappt, dann wieder nicht.

Vielleicht passiert gerade zu wenig, so dass ich einfach genug Zeit habe. Genau, das wird es sein, normalerweise wäre ich jetzt weg, würde mich mit Freunden treffen, Urlaub planen, Essen gehen. Da hätte ich gar keine Zeit.

Jetzt aber sitze ich zu Hause und habe viele Gedanken. Also wird eifrig das Blog gefüttert. Hört hoffentlich auch mal wieder auf.

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