Yippiihh, heute gibt es Lesenacht. Die Kinder sind sehr aufgeregt, sie dürfen die Nacht im Schulhaus verbringen. Auch der Lehrer ist sehr aufgeregt. Seine letzte Lesenacht war gar nicht gut, daher wollte er auch nie, nie wieder eine machen. Doch er hat sich von den Eltern bequatschen lassen. Am Elternabend und auch hinterher waren die Eltern voller Überzeugung, dass das gut werden wird. Auch für den Lehrer machbar. Manche haben sogar nächtliche Hilfe angeboten.

Heute ist der große Abend da. Nach dem Abendessen gehen die Kinder zur Schule, freiwillig und voller Freude. Sollte es so nicht immer sein?

Schwer bepackt sind die Schüler, nein, nicht mit Schulranzen, sondern mit Schlafsack, Isomatte, Kissen, Kuscheltier und was sonst noch so dazu gehört zu einer Nacht außer Haus.

Nach dem ersten Einrichten in den Klassenzimmern macht die Klasse noch einen kleinen Abendspaziergang und besucht ein paar Familien, unter anderem uns. Das andere Kind liest eine selbstgeschriebene Geschichte vor. Die Kinder sind total ruhig und aufmerksam. Nur die Umgebung nicht. Wir sind hinter dem Haus im Freien, ein lauschiges Plätzchen, meint der Lehrer. Nach der Lesung gibt es Tomätle, Gurken und Salzzeug. Die Kinder fallen darüber her wie die Piranhas. Innerhalb weniger Minuten ist alles verputzt. Alles ist leer, selbst die Wasserflaschen. Wohlgeordnet in Zweierreihen ziehen sie von dannen.

Ich wünsche dem Lehrer und der Klasse eine einigermassen ruhige Nacht, so dass noch weitere Generationen an Schülern solch ein Ereignis erleben dürfen.