
Nach ausgiebigem Frühstück mit der spektakulären Sicht, vertrödele ich noch ein bisschen Zeit auf dem Zimmer und überlege, was ich heute anstellen könnte.

Ich entscheide mich, zum Haus der Geschichte zu gehen. Dort ist freitags freier Eintritt, das passt. Es gibt eine Sonderausstellung über Realität und wie Fotos auch schon gleich zu Beginn bearbeitet wurden. Das gefällt mir gut. Interessant, dass die Realität schon immer verschönt wurde auf den Bildern: da wurden gut angezogene Menschen hinzugefügt, dreckige Stellen entfernt und der Himmel oft etwas dramatisiert. Im Grunde wie heute, nur aufwändiger in der Mache.

Die Dauerausstellung ist interessant. Europa ist schon toll, ich fühle mich sehr als Europäerin und bin stolz auf dieses Gebinde. Auch wenn vieles nervt.

Allerdings fand ich es ein bisschen schwierig, mich in den Räumen zurecht zu finden, die Ausstellung ist nicht so durchdacht. Mir wurde ein bisschen schwummerig, das war wohl auch das Wetter, es war absolute Gewitterstimmung, die man auch im Haus gespürt hat.
Danach bin ich noch in die Stadt, dort erst mal in den Buchladen, wie immer. Da fing es an zu gewittern mit Hagel. Alle Leute standen in der Buchhandlung und haben raus geschaut. Das war ein Spektakel. Anschliessend war die Luft sehr gut und frisch. Endlich mal wieder durchatmen. Ich habe ein paar Sachen gekauft, ein bisschen geschaut und dann musste ich schnell wieder zurück in die Jugendherberge. Dort frisch gemacht und umgezogen und gleich wieder auf zum Gericht. Dort gab es einen Workshop für Schöffen. Ich war positiv überrascht, das hat mir echt was gebracht. Besonders der Austausch mit den anderen Schöffen. Das fehlt ein bisschen. Und überhaupt, wie unterschiedlich manches gehandhabt wird.
Die beiden jungen Frauen, die uns angeleitet haben, waren kompetent und sympathisch.

Dann war schon Abend und ich bin nochmal eine Runde in die Stadt gelaufen. Die Läden waren gerade am zumachen, aber am Marktplatz gab es ein Forum der Kulturen: viele Essenstände und live Musik auf der Bühne.

Ich war ein bisschen traurig, dass ich keinen Hunger hatte. Ich hätte große Lust gehabt, was zu kosten (tibetisch!), aber ich weiß, dass es mir zu viel ist und ich dann nicht gut schlafen kann. Schade, hier hätte ich gerne eine Begleitung gehabt, so dass wir uns das Essen teilen können. Ich habe eine Weile der Musik gelauscht und mich dann wieder auf den Heimweg gemacht. Da fielen schon die ersten Tropfen.

In der Jugendherberge war es leider nicht viel leiser.
Nachtrag: Beim Auschecken meinte der junge Mann, ich solle mich gleich beim Nachtdienst melden, wenn sowas wieder vorkommt…..
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