Dass die Anreise lang werden würde, war mir bewusst, dass sie so chaotisch ablaufen würde, konnte ich mir jedoch nicht vorstellen.
Der erste Zug nach Mannheim ist so voll, dass die einsteigenden Leute kaum reinpassen. Überall sind Menschen: in den Gängen, auf dem Boden, selbst auf der Toilette. Der Schaffner kommt nicht mehr durch. Nach einer halben Stunde stehen sind wir in Karlsruhe. Menschen steigen aus, Menschen steigen ein. Es ist immer noch kein Durchkommen. Ich bin von der direkten Tür in den Gang vorgewandert. Da kommt die Durchsage, dass der Zug überfüllt ist und alle, die keinen Sitzplatz haben, bitte den Zug verlassen sollen. Ich erkläre die Ansage dem Amerikaner, der neben mir steht und nichts versteht. Der Amerikaner fragt, ob das immer so sei. Der Mensch auf dem Boden erklärt uns, dass der Zug so voll ist, weil in Freiburg 2 Züge ausfielen und diese Menschen halt nun alle in diesem Zug stehen. Ein paar Personen verlassen den Zug und ich kann noch weiter vordringen. Ich setze mich zu den Koffern im Gepäckteil. Nun habe ich immerhin einen Sitzplatz.
Eine Frau setzt sich neben mich, sie erklärt, dass sie einen Sitzplatz gebucht hatte, aber der Waggon nun gar nicht vorhanden ist. Als ich die Fahrkarte gekauft habe, hieß es noch, der Zug sei wenig ausgelastet und ich habe keinen Platz reserviert. Ich reise ja alleine mit nicht allzu viel Gepäck. Die Personen mir gegenüber verlassen den Zug und ich kann mich nun auf einen richtigen Platz setzen. Ich winke dem Amerikaner, der immer noch an der Tür steht, dass es hier noch einen Platz gibt, woraufhin er sich neben mich setzt. Wir kommen ins Gespräch und die halbe Stunde bis Mannheim ist total schnell vorbei. Ein Amerikaner aus New York, der in den Alpen von Hütte zu Hütte wandert (Haute Route). Da der Zug in Karlsruhe einen halbe Stunde stand und gewartet hat, dass genug Leute aussteigen, haben wir nun eine halbe Stunde Verspätung.
Ich wollte eigentlich in die Kunsthalle, doch der nette Mensch an der Tour-Info erklärt mir, dass heute am Tag des Denkmals der Wasserturm auf hat.
Das liegt auf dem Weg und ich stelle mich in die doch schon recht lange Menschenschlange. Es dauert fast 45 Minuten bis ich eingelassen werde. Man kann drinnen einmal im Kreis laufen, es gibt interessante Schautafeln mit guten Erklärungen und vielen Bildern, doch ich bin ein bisschen enttäuscht, ich hatte mir mehr erhofft.
Als ich wieder raus komme, regnet es heftig, die Schlange ist dennoch nicht kürzer geworden.

Ich stelle mich ins Zelt nebenan und warte den heftigsten Schauer ab. Dann hole ich meine Regenjacke aus dem Koffer und laufe wieder zum Bahnhof, denn die Gruppe, mit der ich fahre, kommt etwas früher als geplant an.
Am Bahnhof treffe ich weitere Mitglieder der Gruppe. Wir informieren uns über die Weiterfahrt und steigen in den Regionalzug nach Frankfurt, da der Zug mit der anderen Gruppe 40 Minuten Verspätung hat und wohl rappelvoll ist. Wir sitzen im Zug und fahren nicht. Also steigen wir wieder aus und warten auf den verspäteten Zug, mit dem die anderen kommen wollen. Das klappt. Der Zug ist sehr voll und laut. Aber immerhin können wir, wenn auch verteilt, alle sitzen. Meine Ohrenstöpsel leisten mir gute Dinge. Die filtern echt gut die schrillen Stimmen um mich herum raus. Ich bin begeistert und kann in relativer Ruhe mein Buch lesen. In Frankfurt steigen neue Gruppenmitglieder ein, wir sind eine ganz schön große Gruppe. Die Sitzplatzreservierung, die es im ursprünglichen Zug gab, gilt hier leider nicht mehr. Es ist trotz Ohrstöpsel ganz schön anstrengend. Ich versuche zu dösen, aber es klappt nicht so ganz. Immerhin ist der Mann neben mir ruhig und wenig zappelig.
In Hannover müssen wir umsteigen, es herrscht Chaos pur, da mehrere Züge ausgefallen sind und hier viele Menschen auflaufen. Der Rest der Teilnehmerinnen unserer Gruppe stößt zu uns. Der Zug nach Berlin ist zwar auch voll, aber es ist nicht mehr so laut wie im letzten Zug. Auf dem Weg ist eine Baustelle angekündigt, die uns Verspätung bringen wird. Doch uns ist das inzwischen egal, wir kommen eh viel später an als ursprünglich geplant. Hauptsache, wir kommen an!

Es ist dann schon nach 21 Uhr, als wir in Berlin eintrudeln. Es hat hier noch 28 Grad. Wir müssen noch Fresspakete abholen, da wir es nicht mehr ins Restaurant geschafft haben, so kurven wir erst noch ein bisschen durch Berlin. Im Hotel dauert es dann noch eine ganze Weile, bis alle ihre Zimmer haben. Was für ein Tag!
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